Stellungnahme der ÖDP zum Nationalpark / Bernd Bartsch

Sehr geehrte Damen und Herren

bei der jahrelangen Diskussion um einen Nationalpark hat es sich immer nur um die Wirtschaftlichkeit gedreht, selten um Ökologie. Deshalb möchte ich zur Wirtschaftlichkeit nicht mehr viel sagen, nur so viel: Natürlich sind Gutachten immer eine Prognose und mit Vorsicht zu genießen, aber mich verwundert, dass man gerade in Bad Driburg dieses Wirtschaftsgutachten so kritisch sieht. Das war schon mal ganz anders. Ich erinnere nur an das Gutachten zur Therme. Da war man nicht so kritisch.
Aber nun zum Thema. Eigentlich ist der Nationalpark ein ökologisches Projekt. Nationalparke sollen sich in überwiegenden Teilen ohne menschliche Beeinflussung entwickeln. So entstehen wieder natürliche Lebensräume, in denen zahlreiche ursprüngliche Arten vor dem Aussterben bewahrt werden können. Man argumentiert, wir hätten ja eine nachhaltige Forstwirtschaft. Das stimmt und es ist auch gut so, aber auch in einer nachhaltigen Forstwirtschaft steht die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund. Die Behauptung den Buchenwald gab es schon immer so, stimmt leider nicht. Von Natur aus wäre die Buche in Deutschland die häufigste Baumart. Von ihrem einstigen Areal sind nur ca. 7% erhalten geblieben. Aktuell kommt sie auf rund 15% der Waldfläche der Bundesrepublik vor. Davon ist aber nur ein kleiner Anteil von 6% älter als 160 Jahre. Älter als 200 Jahre sind nur wenige Bäume in Deutschland aber gerade Buchen von 200 bis 600 Jahre sind besonders wertvoll für die ökologische Vielfalt im Wald. Die Rinde der jungen Bäume ist sehr glatt, sodass sich kaum Insekten und Kleinstlebewesen in der Rinde halten können. Das ändert sich mit dem Alter. Die Rinde wird rissiger, Äste brechen aus und es bilden sich Hohlräume im Stamm. Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Stirbt ein Baum ab entsteht Lebensraum für Pilze und Flechten und Insekten, die in und von den Zerfallsprozessen leben. Der Lebensraum der Fagus silvatica, der Rotbuche, nimmt nur noch größere Flächen in Mitteleuropa ein, besonders in Deutschland und Slowenien. Wir haben also die Pflicht diese Baumart und ihre Lebewesen in Deutschland zu erhalten. Angela Merkel hat im Forstbericht von 2000 festgeschrieben, dass es ihr Ziel sei 5% des Waldes sich selbst zu überlassen. Momentan haben wir weniger als 2%. Aber was tun wir? Nach dem St. Florians Prinzip: Lieber Gott, Verschon mein Haus, zünd’s andere an wehren sich viele gegen dieses Projekt. Städte wie Brakel und Borgentreich, die das überhaupt nicht betrifft, lehnen den Nationalpark ab. Fauna und Flora hat bei uns leider nur eine Lobby, wenn man sie schießen, essen, oder zu Energie umwandeln kann. Was will man auch vom Menschen erwarten, die schon unterschiedliche Vokabeln haben, je nachdem ob die Pflanze oder das Tier ihm nützlich ist oder nicht. Zum Beispiel Kräuter und Unkräuter, Insekten und Parasiten. Aber erschreckend ist es schon das Bürger gegen ein ökologisches Projekt auf die Straße gehen, als wenn ihr Leben in Gefahr ist. Dabei sind doch die meisten Argumente gegen einen Nationalpark überhaupt nicht haltbar. Zum Beispiel man darf den Wald nicht mehr betreten ist schlicht falsch. Alle Nationalparke im Binnenland haben ein attraktives Netz von Wander-, Rad- und Reitwegen sowie teilweise Loipen ausgewiesen. Der Besuch von Nationalparke auf diesen Wegen ist ausdrücklich gewünscht. Viele dieser Wege bieten einzigartige Einblicke in Landschaften und Lebensräume, die sonst nicht möglich wären. Wenn ich lese, wir leben in einer Ökodiktatur, muss ich schon lachen, obgleich es eigentlich zum Heulen ist. In Anbetracht dessen, was man im Moment jeden Tag über Diktaturen lesen und sehen kann, ist es schon zynisch, wenn man bei der Diskussion zum Nationalpark das Wort Diktatur in den Mund nimmt. Zum Schluss möchte ich doch die Frage in den Raum stellen, was glauben sie, wie würden die entscheiden um die es eigentlich geht, die Fauna und Flora, wenn sie heute entscheiden müssten, ob sie einen Nationalpark haben möchten oder nicht. Ich glaube, ich kenne die Antwort, Sie würden sagen Nationalpark: Ja, danke!